lustundleute.de/

 

Notker Becker

 

 Das Interview führte

 Notker Becker

 für die Ausgabe 1-2008,

 erschienen im Juli 2008.

2007/2008 Horst II. und Marlies Dvorak

Dvorak

Ein freundliches Paar: Horst II. und Marlies Dvorak auf der Festwiese. Foto: N. Küpping


Königspaar Horst und Marlies Dvorak

L & L: Wann ist der Entschluss gefallen, die Königswürde in Neuss anzustreben?
Horst Dvorak: Wir haben am Schützenfest-Sonntag 2006 entschieden, dass ich 2007 auf den Königsvogel schießen werde. Abends auf der Wiese haben wir Grenadier-Ehremajor Achim Tilmes getroffen, der immer gesagt hatte, dass er und seine Frau Gabi uns in einem eventuellen Königsjahr mit Rat und Tat zur Seite stehen würden. Dann haben wir ihn noch mal gefragt: Stehst Du zu Deinem Wort? Als er dann ‚Ja’ sagte, haben wir gesagt: Dann machen wir es.

L & L: Warum ausgerechnet das Jahr 2007/2008?
Marlies Dvorak: Es passte genau in diesem Jahr. Der 65. Geburtstag meines Mannes, das 75jährige Jubiläum unseres Grenadierzuges Zunfttreue - da war es an der Zeit die Ankündigungen, die man viele Jahre lang gemacht hat, endlich in die Tat umzusetzen.  Gerade unser Sohn hat uns noch einmal sehr animiert.

L & L: Herr Dvorak, haben Sie ihre Frau überzeugen müssen?
Horst Dvorak: Im Gegenteil, meine Frau hat meine Ambitionen, Schützenkönig zu werden, freundlich gefördert.

L & L: Wenn man sich ein Jahr vorher entschließt, auf den Königsvogel zu schießen – beschäftigt das einen das Jahr über?
Horst Dvorak: Ich habe eigentlich bis kurz vor Kirmes nicht mehr groß über den Entschluss nachgedacht. Aber an den Kirmestagen selbst beschleicht einen dann schon der Gedanke, wenn Du es schaffst, ist nächstes Jahr alles anders. Bis dahin hatte mich der ‚Rest der Welt’ beim Schützenfest eigentlich nicht groß interessiert. Da hat man dann schon anders hingeschaut.

L & L: Wann wurde es Ernst?
Horst Dvorak: Die Anspannung kam am Dienstagmorgen. Eigentlich habe ich dann den ganzen Tag gedacht, jetzt könnte es endlich losgehen. Im Wettkampf selber war ich dann sehr konzentriert und wollte auch den Erfolg. Ich bin schließlich seit vielen Jahren Sportler, da ist mir so eine Wettkampf-Situation nicht fremd. Da gab es auch kein Nervenflattern. Das war vielleicht ein kleiner Vorteil gegenüber meinem Mitbewerber Jochen Kirschbaum und hat mir wohl auch beim letzten und entscheidenden Schuss genützt, als nur noch ein kleiner Splitter an der Stange klebte.

L & L: Wann haben Sie beide denn realisiert, dass Sie es geschafft hatten?
Horst Dvorak: Zunächst lässt man das ganze Programm einfach ablaufen. Es ist ein wenig wie im Film: Verabschiedung alter König, Proklamation, Schützenzelt, Zapfenstreich, Abendumzug, Parade auf dem Markt. So ganz realisiert hat man da noch nicht, dass man jetzt sein Ziel erreicht hat, zumal sich viele Schützenzüge bei der Parade am Dienstagabend auch vom alten König verabschieden wollen.  Wirklich ergreifend war dann allerdings der Zapfenstreich der Scheibenschützen vor dem Quirinus-Münster. Die Atmosphäre des Ortes, die Intensität des Augenblickes, da spürt man dann, dass man jetzt der Repräsentant dieses großen Festes ist.
Marlies Dvorak:  Mir ging es ganz ähnlich. Auf der Wiese, im Zelt, da hat man vor lauter Glückwünschen gar keine Zeit Luft zu holen. Aber als wir dann auf dem Münsterplatz standen, haben einen die Gefühle überwältigt.

L & L: Brach danach am Mittwoch dann die Hektik im Hause Dvorak aus?
Marlies Dvorak: Im Gegenteil. Wir waren gut vorbereitet. Die Garderobe war ausgesucht, die Einladungen für die Krönung fertig layoutet, um den Hofstaat hat sich das Korps gekümmert, wir konnten ganz entspannt unser Königsjahr beginnen. Überhaupt haben uns schon in dieser Phase das Korps, unser Zug und vor allem Gabi und Achim Tilmes vortrefflich unterstützt. Diese Unterstützung haben wir das ganze Königsjahr über erfahren. Dafür möchten wir uns auch an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken.

L & L: Man hat ja sicherlich bestimmte Erwartungen,  was alles auf ein neues Königspaar so einstürmt. Sind die Erwartungen erfüllt worden?
Horst Dvorak: Wir sind eigentlich ohne eine bestimmte Vorstellung an die neue Aufgabe herangegangen. Aber man merkt schnell, dass sich etwas verändert. Wenn man mit ‚Majestät’ angeredet wird, dann erfolgt das durchaus mit Ernsthaftigkeit und nicht nur mit Augenzwinkern. Da musste ich mich schon umstellen. Man lernt  auch die Vielschichtigkeit des Festes kennen und hat schnell eine große Hochachtung vor den Menschen, die sich für dieses Fest engagieren. Als einfacher Schütze hat man ja  nicht so den Einblick. Aber im Amt merkt man erst einmal, wie viel zu tun ist und wie professionell das erledigt wird. Und man merkt auch, dass durch die Schützen in dieser Stadt viel bewegt wird. Ohne die Schützen würde diese Stadt schlechter dastehen. Wenn es das Schützenfest nicht gäbe, man müsste es erfinden.   

L & L: Hatte das Königspaar Dvorak vor, diesem Amt einen persönlichen Stempel aufzudrücken?
Horst Dvorak: Als König ist man Repräsentant des Festes. Das sollte man immer bedenken. Damit bewegt man sich in einem festen Rahmen. Der gibt sicherlich einen gewissen persönlichen Gestaltungsspielraum, ich hatte und habe aber nicht den Ehrgeiz, diesen Rahmen zu sprengen. Das würde dem Amt auch nicht gut tun.
Marlies Dvorak: Wir haben sehr viele Einladungen angenommen. Überall sind wir sehr freundlich begrüßt worden, und man hat ehrliche Freude gespürt, dass wir gekommen sind. Das hat hoffentlich auch mit uns beiden zu tun, aber sicherlich auch mit der Tatsache, dass das Neusser Königspaar der Einladung gefolgt ist. Der Respekt in dieser Stadt vor diesem Amt ist sehr groß. Dem muss man sich auch bewusst sein.

L & L: Welchen persönlichen Gewinn haben Sie aus den vielen Terminen ihres Königsjahrs gezogen?
Horst Dvorak: Durch die vielen Termine lernt man die Vielfalt in dieser Stadt kennen. Zum Beispiel das Winterbrauchtum, die viele lokalen Aktivitäten in den Stadtteilen, das große soziale Engagement in dieser Stadt. Das ist sehr beeindruckend.
Marlies Dvorak: Man lernt die Vielfalt in unserer Heimatstadt kennen. Diese Eindrücke werden lange anhalten, wenn das Königsjahr vorbei ist.

L & L: Wer darf sich auf was für einen Orden freuen?
Horst Dvorak: Alle Leutnants der einzelnen Züge, schließlich bin ich selber Leutnant, die Zugkönige, Fackelbauer, Erstmarschierer und solche, die sich besonders engagieren. Die Details zu meinem Orden verrate ich natürlich noch nicht, aber so viel sei gesagt, er wird eher klassisch sein.